Sonntag, 19. Februar 2012

Wissenschaftliches Bloggen (Teil 2)


Aus gegebenem Anlass an dieser Stelle noch ein paar Worte zum „wissenschaftlichen Bloggen“: In den letzten Wochen ist dieses Thema in verschiedenen Medien angeschnitten worden, zuletzt in dem feuilletonistisch geprägten Onlinemagazin der Heise-Gruppe: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36348/1.html Dort ist ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Prof. Dr. Holger Wormer publiziert. Anlass zu diesem Interview gaben die Äußerungen des Medientheoretikers Norbert Bolz. Er rät Nachwuchswissenschaftlern vom wissenschaftlichen Bloggen ab.  Das solle man erst tun, wenn man sich einen „unangreifbaren Ruf“ erworben hat, sonst werde man „geschnitten“.
Dieser mutmaßlich gut gemeinte Rat hat die heftige Reaktion Dr. Florian Freistetters hervorgerufen, der bei scienceblogs.de bloggt und dort eine größere Leserschaft erreicht.
„Ich sehe die Dinge naturgemäß anders. Ich finde, es kann gar nicht genug Öffentlichkeitsarbeit und Medienpräsenz geben. Wenn man sich ansieht, wie die Wissenschaft (echte Wissenschaft, nicht der "Wir frittieren das größte Pommes-Frites der Welt"-Kram, der im Fernsehen in den "Wissenschafts"sendungen dauernd zu sehen ist) in den Medien repräsentiert ist, dann kann es ja fast kaum schlimmer werden. Der Durchschnittsbürger wird wesentlich intensiver über das Leben irgendwelcher Fußballspieler oder Castingshow-Kandidaten informiert, als über Erkenntnisse der Wissenschaft.“ …
und schließlich
„Wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit ist Lobbyarbeit! Wenn man der Bevölkerung, deren Steuergelder die Forschung ja auch finanzieren, klar macht, warum Wissenschaft wichtig ist, dann wird es den Politikern auch nicht mehr so leicht fallen, hier das Geld weg zu nehmen.“
Der Beitrag ist sehr lesenswert und sei hiermit empfohlen.
Den Rat des Herrn Bolz hält auch der bereits oben genannte Prof. Dr. Holger Wormer für übertrieben.
„Holger Wormer: Die Frage wurde schon vor 20, 30 Jahren gerne aufgeworfen und damals hatte sie sicherlich ihre Berechtigung. Forscher, die sich selbst an die Massenmedien wandten, galten tendenziell als unseriös. Heute ist eher das Gegenteil der Fall. In vielen Projekten, die mit Drittmitteln finanziert werden, werden Wissenschaftler sogar dazu verpflichtet, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse einem breiten Publikum vorzustellen. Die Auffassung, dass Medienpräsenz grundsätzlich der wissenschaftlichen Karriere schade, kommt mir daher vor wie aus dem vorigen Jahrhundert. Heute sollte es die Ausnahme sein, dass es der Karriere schadet, wenn junge Wissenschaftler mit Hilfe von Massenmedien kommunizieren. Im Gegenteil: In vielen Fällen ist es sogar förderlich.“

Weitere Reaktionen finden sich auf dem Wissenschaftsportal.
http://redaktionsblog.hypotheses.org/

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