Mittwoch, 14. März 2012

Hospital der Heiligen Elisabeth entdeckt?


Im letzten Oktober ging eine überraschende Meldung durch die Presse: In Marburg sei das Hospital der Elisabeth gefunden worden. Die Nachricht wurde in regionalen und überregionalen Medien vermeldet.  Bei den Grabungen 2011 im Norden der Elisabethkirche wurden zum einen die Apsis des Vorgängerbaus der Elisabethkirche und zum anderen ein bislang unbekanntes Steingebäude freigelegt.
Einen Plan dieser Befunde findet man hier in der Bilderschau.

Die Gießener Allgemeine schreibt zur Freilegung und Interpretation der Apsis:

„Dennoch sei es gelungen, die halbrunde Apsis der Hospitalkirche – erbaut 1228/29 und dem Heiligen Franziskus von Assisi geweiht – in Teilen freizulegen. Vermutlich weil der Ostabschluss der Kapelle nicht repräsentativ genug gewesen sei, habe man die Kirche ein Jahr nach dem Tod Elisabeths umgebaut. Vor die Westseite setzte man einen mächtigen Turm, dessen Fundamente
bereits 2009 freigelegt werden konnten. So wurde aus der bescheidenen Kapelle, in der die Heilige Elisabeth 1231 bestattet worden war, die steinerne Kirche, die im Zentrum das Grab der Heiligen berge.“

Die Ausgräber gehen also davon aus, dass zu Elisabeths Lebzeiten an dieser Stelle ein bescheidener  einfacher Saalbau gestanden hat, der ein Jahr nach Elisabeths Tod im Westen durch einen mächtigen Turm und im Osten durch eine Apsis erweitert wurde.

Zudem wurde im September drei Seiten eines etwas größeren Steinbaus freigelegt, der nach Ansicht der örtlichen Denkmalpflege  das Hospital der Elisabeth sein könnte.
Unter Elisabethkirche.de ist zu lesen:

"Das Steingebäude stand ursprünglich nur wenige Meter entfernt, im annährend rechten Winkel zur ersten Hospitalkirche. Der Bau konnte trotz vieler Leitungsstörungen bisher an drei Seiten erfasst werden. Das Gebäude hat eine Breite von neun Metern, die Länge betrug mindestens 17 Meter. Die massiven Steinmauern sind einen Meter breit und zeigen zwei nebeneinander liegende Eingänge an der Westseite. Das Gebäude war im Inneren weiß verputzt und ursprünglich mit Schiefer bedeckt.", so Dr. Maiborg.
Bisher ging man davon aus, dass das 1228 von Elisabeth gegründete Hospital in der Kapelle integriert war, in der die Landgräfin und spätere Heilige 1233 zunächst bestattet wurde und über der dann ab 1235 die Elisabethkirche erbaut wurde.
Der jüngste Fund könnte diese Theorie nun auf den Kopf stellen: "Möglicherweise handelt es sich hierbei um den eigentlichen Hospitalbau, in dem Kranke und Alte gepflegt wurden.", erklärte Dr. Maiborg. Damit würde sich auch das gängige Bild der Marburger Hospitalanlage verändern: Elisabeth ließ nicht nur eine steinerne Kapelle samt Hospital errichten, sondern eine steinerne Kapelle und ein steinernes Hospitalgebäude. Es wäre also weitaus mehr Aufwand für den Bau der Hospitalanlage getätigt worden als bislang angenommen.“ (Schreibfehler im Originalzitat)

Der evangelische Pressedienst zitiert Christa Meiborg zu dem neu entdeckten Bau:

"Wir hatten bisher die Vorstellung, dass alles arm und bescheiden war. Aber nun haben wir gesehen: Elisabeth hat etwas Repräsentatives gebaut",

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