Mittwoch, 18. April 2012

Frühe Magnetismusprospektion in der Elisabethkirche


1818 ließ der damalige Pfarrer Leander van Eß nach den Gebeinen der Heiligen in der Elisabethkirche suchen. Er befragte dafür ein Bauernmädchen aus der näheren Umgebung, das an einer „magnetischen Krankheit“ litt und im Schlaf hellsehrisch redete. Das Mädchen zeigte ihm mehrere Stellen im Hauptchor der Kirche, an denen gegraben wurde, aber Elisabeth fand er nicht. 

Herrmann Bauer berichtet in seinem wirklich hübschen Büchlein „Altmarburger Geschichten und Gestalten“  sehr charmant von verschiedenen Marburger Persönlichkeiten, aber auch kleinere Anekdoten und von einem ausgewachsenen Kriminalfall im Dammelsberg. 
Sehr schön ist die Schilderung des Polizeidirektors v. Hanstein, der bei den ersten archäologischen Ausgrabungen 1818 in der Elisabethkirche dabei war. 
In dieser  Zeit wurde die Elisabethkirche gerade simultan genutzt. Der Chor war für die Katholische und das Hauptschiff für die Evangelische Gemeinde vorgesehen. Leander von Eß war 1811 bis 1822 dort katholischer Gemeindepfarrer. Er galt als ein hochangesehener und fähiger Gelehrter und so wurde ihm 1818 vom Kurfürsten in Kassel die Genehmigung zur Ausgrabung der Gebeine der Heiligen Elisabeth erteilt. Er suchte Rat bei einem kranken, schlafredenden Mädchen aus der näheren Umgebung, das als hellseherisch galt. Es sollte ihm den Ort des Grabes der Heiligen zeigen.

Im Protokoll ist zu lesen:

„Das Nachgraben geschah unter dem Hochaltar, neben dem gewölbten Grab des Commenthur Grafen von Neuhof. Dieser Platz wurde von Prof. van Eß darum gewählt, weil das schlafredende Mädchen denselben dahin bezeichnet hatte, daß die Gebeine 10-12 Schuhe vom Hochaltar entfernt und etwa in Mannstiefe sich finden würden. Es hatte dabei einen dreiviertel Ellen langen Kasten angegeben, auf welchem die Krone stehen solle. Als man mit dem Graben in Mannstiefe bis gegen das Grab des Commenthur von Neuhof – gerade elf Schuhe vom Hochaltar – kam, so fanden sich eine Öffnung, in welcher ein Sarg gestanden zu haben schien. Es fanden sich darin: mehrere Schenkelknochen, Reste von einem seidenen Zeuge, eine unversehrte Schuhsohle, ein Stück von einer Degenklinge, welches letztere keinen Zweifel übrig ließ, daß diese Überreste einem alten Ritter angehört hatten. /…/
 
„Gegen ein Uhr kam der Prof. van Eß zurück und brachte die magnetische Kranke, Katharina Kahler, 13 Jahre 10 Monate alt, deren Bruder und Mutter mit. Da sie bald darauf in den magnetischen Schlaf verfiel, so wurde sie von dem Bruder in die Kirche getragen und neben die Kanzel gestellt. Prof.van Eß und ihr Bruder taten  ihr darauf mehrere Fragen in der Beziehung, worauf sie sich eine Zeitlang zu besinnen schien und dann gerade rechts neben den Hochaltar ging, sich dort niederließ und nun auf verschiedene Fragen folgende Erklärung gab: „Auf der Stelle, wo sie sitze, lägen die Gebeyne Elsbeth in einem Kasten, in etwa Mannstiefe. Die Gebeyne seien es nicht alle, aber an der rechten Schulter hänge noch das Fleisch. Auf dem Kasten liege die Krone von Gold, und wir würden es beim Nachgraben finden.“ Sie erwachte gleich darauf unter einem leisen Zucken. /…/ 
Die am 15.1.1818 vorgenommene Nachgrabung hat nicht den geringsten Erfolg gehabt. Heute morgen um 1.28 Uhr begann dieselbe und endigt um 5 Uhr an der Stelle neben dem Hochaltar, welche das Bauernmädchen bezeichnet hatte. Es fand sich aber in einer Tiefe von 8-9 Fuß auch nicht die geringste Spur. Die Vermutung, daß die Gebeine der Hl. Elisabeth sich nicht mehr hier befinden, bestätigt sich daher hierdurch, weil im Chor fast kein Platz ununtersucht gelassen worden ist.

Zugleich ergiebt es sich aber hieraus, daß es eine Täuschung war, das Bauernmädchen für hellsehend zu halten.“

Wie wir sehen, kam es bei den frühen  Magnetometerprospektionen immer wieder zu Rückschlägen.

Nachzulesen in:  H. Bauer, Alt-Marburger Geschichten und Gestalten. Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur 20 (Marburg 1986)S. 27-30

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