Mittwoch, 2. Mai 2012

Mein Dissertationsprojekt – Ein erster Werkstattbericht


Ich schreibe nun seit etwa drei Monaten in unregelmäßigen Abständen in diesem Blog über unterschiedliche Aspekte der Archäologie an der Elisabethkirche und über die Heilige Elisabeth im Allgemeinen. Nun ist mal an der Zeit, ein bisschen über meine Arbeit an der Promotion zu plaudern.

Ich habe das Privileg, im wesentlichen Vollzeit daran zu arbeiten ohne dass mir große Geld- oder Zeitnot im Rücken sitzen. Das ist wenigen Absolventen vergönnt, aber die Erwartungen dritter, dass man doch möglichst schnell fertig werden müsste, sind etwas höher als bei anderen Doktoranden. In dieser Zeit habe ich vor allem gelernt, dass die Dinge ihre Zeit brauchen, und dass es besser ist, sich einige Tage von dem Rechner fern zu halten um dann mit einem „freien Kopf“ wieder an die Arbeit zu gehen. Nach ein bis zwei Tagen mit einem wirklichen Abstand schreiben sich ganze Kapitel auf einmal wie von selbst. Das ist eine ganz wesentliche Tatsache. Das haben mir immer wieder erfahrene Kollegen gesagt, aber ich habe das natürlich nicht geglaubt. :)

Der größte Teil der Arbeit besteht aus dem Erstellen von Plänen und dem Schreiben eines Kataloges, in dem die Befunde und Funde gelistet werden. Der Katalog und die Pläne gehören zu der Beweisführung. Sie sind die eigentliche Grundlage der Argumentation. Bei den Ausgrabungen im Umfeld der Elisabethkirche, den Grabungen 2006 bis 2010 und den Untersuchungen 1970/71 sind über 700 Pläne gezeichnet worden, die alle gescannt, entzerrt und vektorisiert werden mussten, wie es in unserem Fach Standard ist. Eine Automatisierung solcher Arbeiten ist bislang noch nicht zufriedenstellend möglich.   Ich persönlich fand diese Planumsetzungen absolut furchtbar langwierig. Ich dachte, das wird nie fertig. Aber man hat mir glaubhaft versichert, dass es so viele Monate dauert und dass ich noch ganz gut in der Zeit läge. Ich habe das dann einfach mal so hingenommen. Allerdings sind die fertigen Pläne von guter Qualität und können sich wirklich sehen lassen! (Ich kann natürlich in diesem Blog keine Gesamtpläne abbilden, deswegen muss man das jetzt einfach mal glauben und dann in der fertigen Publikation sich davon überzeugen.)

Die Katalogarbeit selbst ist auch eine eher weniger spannende Angelegenheit. In meinem Fall haben diese Arbeit zum Teil Hiwis erledigt, was etwas Zeit sparte, aber es blieb für mich immer noch genug übrig!!  Wie die Planarbeit ist auch das Erstellen des  Kataloges nicht besonders herausfordernd, das heißt, man kann sich nebenbei  irgendwelche I-tunes Vorlesungen zu Betriebswirtschaft anhören und sich darüber freuen, dass Betriebswirte mal mehr Geld verdienen als man selbst aber dafür ein ödes Studium absolvieren mussten.  (Und ein noch öderes Berufsleben vor sich haben!) :)

Es gibt aber auch Dinge, die mir wirklich Freude machen, nämlich die eigentliche inhaltliche Arbeit, die Recherche, die Entwicklung der Beweisführung und das Schreiben an sich. Entwicklung von Fragestellung, Gliederung und Eingrenzung des Themas entwickelten sich bei mir eher von selbst bzw. hat sich das bei Gesprächen mit meinen betreuenden Professoren und erfahrenen Kollegen wie Thomas Platz, Christa Meiborg, Elmar Altwasser oder Ulrich Klein ergeben.

Wie viele Doktorandenkollegen festgestellt haben, gibt es verschiedene Phasen der Promotion, die schlimmste und längste Phase ist die, wenn man einen Berg Arbeit vor sich hat und das Gefühl hat, dieser Berg wird einfach nicht kleiner. Es ist schrecklich! Aber irgendwann sieht man ein Ende. Ein meinem Fall, sehe ich bereits Land am Horizont. Es ist noch etwas verschwommen, aber ich sehe es!!!

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1 Kommentar:

  1. Achtung! Es kommt schlimmer! Wenn die Arbeit fast fertig ist (bzw. wenn man meint, sie sei fertig)...
    dann gibt es noch dieses und jenes -
    es ist kein roter Faden zu sehen - oder wichtige neue Funde tauchen auf - und die Betreuer haben doch noch spezielle Wünsche (wahrscheinlich völlig unterschiedliche [und manchmal nicht so Sinnvolle]) - oder aber die alles absichernde 14C-Datierung haut daneben - falls die Auftragsarbeiten überhaupt rechtzeitig kommen - und schließlich ist das Korrekturlesen und Layouten nicht zu unterschätzen. Oder im günstigsten Fall: es gibt ein Job-Angebot mit der Auflage neben der halb bezahlten 125% Stelle ganz schnell fertig zu machen.

    Dr steht vermutlich für DuRchgehalten!

    Aber es gibt auch Hochgefühle, wenn man wieder mal etwas kapiert hat und schließlich ist es ein gutes Gefühl, wenn alles geschafft ist und das Ding gedruckt vorliegt!

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