Montag, 18. Juni 2012

Viten, Urkunden, Briefe, Wunderberichte – Ein Werkstattbericht


Über die Heilige Elisabeth ist unendlich viel geschrieben worden. Monografien, Aufsätze,  Magister-, Diplom- und Doktorarbeiten, Romane und erbauliche Büchlein für den frommen Christenmenschen. Sie alle beruhen auf den zeitgenössischen Schriftquellen. Als Archäologin kann und darf ich diese Überlieferung nicht ignorieren, auch wenn die Handhabung nicht leicht fällt.

Als ich begann mich mit meinem Promotionsvorhaben zu beschäftigen, habe ich zunächst einmal gelesen, gelesen und gelesen. Ausstellungskataloge, Zeitschriftenartikel, Grabungsberichte, Grabungsvorberichte, Biografien und alles was irgendwie aus Buchstaben besteht und auf Papier gedruckt ist oder online zugänglich ist. Inzwischen weiß ich, das ist bei einer archäologischen Grabungsauswertung der falsche Weg.
Der richtige Weg ist, sich erst einmal ausschließlich auf Pläne, Befundkatalog und Funde zu konzentrieren, sich alles in Ruhe anzuschauen und dann wenn man weiß, was auf der Fläche los ist, kann man sich mit den Schriftquellen auseinandersetzen. Vorher nicht. Bringt nichts.
Über die Heilige Elisabeth ist einiges an schriftlichen Aufzeichnungen erhalten. Auffällig dabei: Nicht alles ist zeitgenössisch und somit glaubwürdig. Die einfach anmutende Faustformel: zeitgenössisch ist gleich glaubwürdig klingt logisch, muss aber nicht logisch sein. Die Faustformel: nicht zeitgenössisch also nicht glaubwürdig trifft die Problematik eher, wenn auch nicht immer zwingend. Zum Beispiel kann eine Quelle aus dem 16. Jahrhundert durchaus authentisch aus dem 12. Jahrhundert berichten, wenn dem Autoren Quellen des 12. Jahrhunderts zur Verfügung standen, die heute verloren sind.
Es gibt Dutzende von Viten, (Lebensbeschreibungen von Heiligen oder wichtigen Persönlichkeiten) der Elisabeth. Dabei können wir uns getrost auf die Viten des 13. Jahrhunderts konzentrieren und lassen die anderen einfach weg. Das ist im Falle der Elisabethviten einfach, weil die Vitenautoren der späteren Zeit die älteren Texte  als Vorlage verwendeten. 

Aufgezählt sind sie schnell:
1. Konrad von Marburg, Summae Vitae
2. Libellus de dictis quatuor ancillarium sancte Elisabeth Confectus (Zusammenstellung von Zeugenaussagen für den Heiligsprechungsprozess)
3. Caesarius von Heisterbach, Vita Sancte Elyzabeth Lantgravie
4. Anonym, Vitae sancte Elisabeth Thurigiae (Die Vita eines anonymen Franziskaners)
5. Dietrich von Apolda, Vita Sancte Elyzabeth Landgravie
Die anderen werden in der Regel als wenig glaubwürdig eingestuft, auch wenn sie für die Literaturgeschichte sicher einen nicht zu unterschätzenden Wert haben.

Spannend zu lesen sind außerdem eine Predigt, die der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach zum Jahrestag der Erhebung der Gebeine der Elisabeth geschrieben hat (Sermo de translatione beate Elyzabeth)
Interessant sind außerdem die vielen überlieferten Wundergeschichten, die als Beweismittel für die Heiligsprechung gesammelt wurden.  In diesen Geschichten ist immer wieder am Rande die Rede von einer Person, einem Beruf oder einer Örtlichkeit. Das lässt Rückschlüsse zu, oder schließt Rückschlüsse aus.
Erkenntnisreich war auch die Lektüre der vielen Urkunden und Briefe, in denen Baulichkeiten erwähnt oder nicht erwähnt sind.

Die Herausforderung liegt eigentlich nicht darin, Erwähnungen irgendwelcher Kapellen, Altäre oder Gräber aufzuzählen. Solche losen Sammlungen gibt es in der literaturreichen Elisabethforschung bereits. Die Herausforderung liegt darin herauszufinden, ob eine nähere Analyse für die eigene Fragestellung überhaupt sinnvoll ist, bzw. welche Informationen, vielleicht in Korrelation mit archäologisch/bauhistorischen Ergebnissen, der schriftlichen Überlieferung überhaupt zu entlocken sind?

O. Dobenecker, Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae thuringiae 2 (Jena 1900)

O. Dobenecker, Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae thuringiae 3 (Jena 1925)

A.Huyskens, Quellstudien zur Geschichte der Hl Elisabeth. Landgräfin vonThüringen (Marburg 1908)

 E. Könsgen (Hrsg.) Caesarius von Heisterbach. Das Leben der heiligen Elisabeth und andere Zeugnisse, Veröff. Hist. Kommission Hessen 67,2 = Kleine Texte mit Übersetzungen 2 (Marburg 2007)

O. Reber; Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine Biografie (Regensburg 2006)

M. Rener (Hrsg.) Dietrich v. Apolda, Das Leben der heiligen Elisabeth, Veröff. Hist. Kommission für Hessen 67 = Kleine Texte mit Übersetzungen 3 (Marburg 2007)


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